An Open Letter about MOMEM

To Peter Feldmann, Mayor of the City of Frankfurt, the Magistrate of the City of Frankfurt, and Dr. Ina Hartwig, the Head of the Department of Culture of the City of Frankfurt

Dear Mayor Peter Feldmann,
Dear Dr. Ina Hartwig,

female:pressure is a global network of women and non-binary artists in the electronic arts that has been advocating for gender equity and diversity in electronic music since 1998. The network has over 2800 members from all regions of the world.

With great irritation we have taken note of the events for the opening of MOMEM – Museum of Modern Electronic Music in Frankfurt. The opening of MOMEM is exclusively in the hands of cis men (Sven Väth, Sami Hugo, Sven Louis and Noe Fazi as DJs, Tobias Rehberger as curator), MOMEM’s team of directors is also 100% male. 

In the FACTS study, an analysis of gender distribution on the stages of international electronic music festivals that we have conducted continuously since 2012, we were able to determine that the likelihood of gender equity on these stages increases, among other things, through the participation of women and non-binary individuals in the decision-making bodies. It has also been shown that in cases of publicly funded events, the gender distribution is more balanced, especially when parity in gender distribution is a condition in funding criteria. see https://femalepressure.wordpress.com/

We are shocked that in an event that is extensively funded by the city and the Cultural Office of Frankfurt and of such importance for the city, the manifold achievements of women and non-binary artists in and for the history of electronic music are ignored in such a way.

Furthermore, you, the Magistrate of the City of Frankfurt as the inviting party, write on the invitation card: In the middle of Frankfurt, where Techno has its origin (“Mitten in Frankfurt, wo Techno seinen Ursprung hat”).

With this statement you are outside of all academic research and assessments on the origins of Techno culture, which stems from the diverse cultures of queerness and BPoC, especially in the urban centers of the USA (most notably Detroit for techno, Chicago and New York for house, see more information here https://www.maketechnoblackagain.com/resources or here https://linktr.ee/dwellerforever) Should the claim be a pure marketing measure, it inadmissibly exploits the cultures of people with histories of migration and oppression by marginalizing their achievements. This also repeats the economic exploitation experienced by protagonists of the early techno & house scene in Germany/Europe.

We urge you to reconsider your claim and correctly state historical facts!

Additionally, on the MOMEM website, the claim “First Things First: Black Music Matters” was published which does not mention the origins of Techno in the above-mentioned communities. We can only interpret this measure as a strategic, yet not very credible brand message with the intention to disguise the fact that the actual protagonists at MOMEN are primarily white.

Live up to your responsibility as promoters of culture and take action that integrates the achievements of women, non-binary, Black and Latinx artists into the history of electronic music with parity and historical accuracy. Any exclusion of these achievements from such a historiography in 2022 can only be read by us as a deliberate act of discrimination, which we explicitly and strongly condemn.

Our members will stay away from the opening of the MOMEM – if they were invited at all.

Yours,
female:pressure

German Version

An Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, den Magistrat der Stadt Frankfurt und Frau Dr. Ina Hartwig, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Peter Feldmann, sehr geehrte Frau Dr. Ina Hartwig,

female:pressure ist ein globales Netzwerk von Frauen und nicht-binären Künstler*innen in den elektronischen Künsten, das sich seit 1998 für Gendergerechtigkeit und Diversität in der elektronischen Musik einsetzt. Das Netzwerk hat über 2800 Mitglieder aus allen Weltregionen.

Mit großer Irritation haben wir die Veranstaltungen zur Eröffnung des MOMEM – Museum of Modern Electronic Music in Frankfurt zur Kenntnis genommen. Die Eröffnung des MOMEM wird ausschließlich von cis-Männern bespielt und verantwortet (Sven Väth, Sami Hugo, Sven Louis und Noe Fazi als DJs, Tobias Rehberger als verantwortlicher Kurator), das Direktorenteam ist ebenfalls zu 100% männlich besetzt. 

In der FACTS Studie, einer seit 2012 kontinuierlich von uns durchgeführten Analyse der Genderverteilung auf den Bühnen internationaler Festivals für elektronische Musik, konnten wir feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit von Gendergerechtigkeit auf diesen Bühnen u.a. durch die Beteiligung von Frauen und nicht-binären Personen in den Entscheidergremien steigt. Es hat sich außerdem gezeigt, dass in Fällen von öffentlich geförderten Veranstaltungen die Genderverteilung ausgeglichener ist, insbesondere wenn in Ausschreibungskriterien paritätische Genderverteilung eine Bedingung ist. s. https://femalepressure.wordpress.com/

Wir sind schockiert, dass bei einer durch die Stadt und das Kulturamt Frankfurt umfassend geförderten Veranstaltung von solcher Bedeutung für die Stadt die vielfältigen Leistungen von Frauen und nicht-binären Künstler*innen in und für die Geschichte der elektronischen Musik derart ignoriert werden.

Weiterhin schreiben Sie, der Magistrat der Stadt Frankfurt als Einladende, auf der Einladungskarte: „Mitten in Frankfurt, wo Techno seinen Ursprung hat.“

Mit dieser Feststellung befinden Sie sich außerhalb aller akademischen Untersuchungen und Einschätzungen zu den Ursprüngen der Techno-Kultur, die ihre Vielstimmigkeit aus den diversen Kulturen der Queerness und BPoC hat und im Besonderen in den urbanen Zentren der USA entstanden ist (v.a. Detroit für Techno, Chicago und New York für House, mehr Information hier https://www.maketechnoblackagain.com/resources und hier https://linktr.ee/dwellerforever). Sollte es sich bei der Behauptung um eine reine Marketingmaßnahme handeln, so beutet sie die Kulturen von Menschen mit Historien von Migration und Unterdrückung unzulässig aus, indem sie deren Leistungen marginalisiert. Damit wird auch die ökonomische Ausbeutung, die Protagonist*innen der frühen Techno- & Houseszene in Deutschland/Europa erfahren haben, wiederholt.

Wir fordern Sie auf, Ihre Behauptung zu überdenken und historische Fakten korrekt zu benennen!

Auf der Website des MOMEM ist weiterhin ganz oben der Claim “First Things First: Black Music Matters” veröffentlicht, in dem mit keinem Wort auf die Ursprünge von Techno in den oben genannten Communities eingegangen wird. Diese Maßnahme können wir nur als strategische, dabei wenig glaubwürdige und rein kosmetische Markenbotschaft der Unternehmung MOMEM interpretieren, um zu verschleiern, dass die tatsächlich eingebundenen Akteure in erster Linie weiß sind.

Werden Sie Ihrer Verantwortung als Kulturfördernde gerecht und ergreifen Sie Maßnahmen, die die Leistungen von Frauen, nicht-binären und  BPoC Künstler*innen paritätisch und historisch korrekt in die Geschichte der elektronischen Musik integriert. Jeder Ausschluss dieser Leistungen aus einer solchen Geschichtsschreibung lässt sich für uns 2022 nur als absichtlicher Akt der Diskriminierung lesen, die wir ausdrücklich und scharf verurteilen.

Der Eröffnung des MOMEM werden unsere Mitglieder – sofern sie überhaupt eingeladen wurden – fernbleiben.

Mit freundlichen Grüßen,
female:pressure

25 responses to “An Open Letter about MOMEM”

  1. “Der Eröffnung des MOMEM werden unsere Mitglieder – sofern sie überhaupt eingeladen wurden – fernbleiben.”

    Na hoffentlich!!! Baut doch euer eigenes Museum!

  2. Sorry aber was stimmt mit euch nicht??

    Sowas nimmt doch keiner ernst. Auch keine Frauen die ich kenne. Alle schütteln mit dem
    Kopf über so viel Unsinn

  3. Leider sind genau solche Statements der Grund warum wirklich wichtige Themen wie Feminismus und Diskriminierung von so vielen Menschen belächelt werden. Danke für nichts.
    Eine Frau.

  4. Danke für das Statement!

    Frankfurt als Ursprungsort von Techno zu bezeichnen ist genauso ein Witz wie im Jahr 2022 ein rein männliches Direktorenteam zu bestellen. Schade, denn das MOMEM hätte eigentlich Potential, aber nicht wenn das wieder so eine Würstchenparty ist.

  5. Die Welt besteht halt mal aus Taten und nicht aus Worten! So lächerlich wie unter dem Deckmantel der “Gleichberechtigung” andere ständig nieder gemacht werden. Wo bleibt die Toleranz gegenüber anderen, welche der Grundstein dieses Movements war. Deren Mitwirken sich Leute wie Ihr eigentlich selbst verspielt haben nebenbei erwähnt;) Öffentlichen Druck ausüben um Positionen zu bekommen – ist dies nicht genau das Schema der Männer welches Ihr auch sooo gerne kritisiert? Damit Festivals mit Angst um mediale Kritik möglichst 50% oder mehr Frauen buchen… basierend auf ner Quote und nicht auf Talent? Verkehrte Welt! Fail!!

  6. […] Открытое письмо было опубликовано шестого апреля — в день открытия музея. В нем содержится критика по двум основным вопросам — отсутствие разнообразия в руководстве музей и игнорирование черных корней техно. […]

  7. Oww please, real techno was started in Germany, i am a American electronic artist and i know this.. the Detroit and house music scenes were a spinoff of the German scene, and the reason there is not more women and black artists is because they were not as prominent, if they wanted to be recognized more then they should have been more involved, its not that there were no women or black musicians, their are, but its less then 1 to 1000, so obviously they are less represented… When you look at the history of rap, you don’t gave equal white artists as black artists, because there is not equal, there are alot less, it doesn’t mean there are none, you got Eminem who is white and huge, but he is one to the thousand of black artists… Either contribute more to the field, or stop complaining that you are under represented, no one ever said there were no women or black electronic musicians… This is getting rediculess…

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